BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Lebensräume zerstört

BUND geht gegen übermäßiges Schlegeln an Straßenseitenrändern vor

Zum wiederholten Mal wurden in der Wintersaison zahlreiche Wallheckenflanken und ungenutzte Saumstreifen (auch Grabenränder) entlang von Straßen im Landkreis Aurich geschlegelt. Zum Teil sind dabei sogar die Wallheckenkronen bis auf die blanke Erde bearbeitet worden.

Der BUND Ostfriesland sieht hierin einen klaren Verstoß gegen den Wallheckenschutz und das Bundesnaturschutzgesetz und hat daher Anzeige bei der Unteren Naturschutzbehörde erstattet. Bei den gesetzlich geschützten Wallhecken (§ 22 NAGBNNatSchG) darf z. B. der Gehölzaufwuchs nicht beeinträchtigt werden; nach § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es "verboten, die Bodendecke … auf Feldrainen, Hochrainen und ungenutzten Grundflächen … so zu behandeln, dass die Tier- und Pflanzenwelt erheblich beeinträchtigt wird".

Da Wallhecken und Randsäume Lebens- und Überwinterungsraum geschützter Tierarten wie Wald-Eidechse, Blindschleiche und Erdkröte oder Wuchsort von geschützten Farnen (z. B. Rippenfarn, Königsfarn) sein können, liegen möglicherweise auch artenschutzrechtliche Verstöße vor.

In den vom BUND beobachteten Fällen wurde der Schlegelmäher teilweise so tief geführt, dass die Pflanzendecke vollständig zerstört und der Boden frei gelegt wurde. Grundsätzlich kritisiert der BUND den Einsatz von Schlegelmähern an sensiblen Randstreifen, Gräbenrändern  und Wallhecken, da damit wichtige Lebensräume für Insekten zerstört und wichtige Blüh- und Nahrungspflanzen vernichtet werden. Daneben kommt es auch zu Düngeeffekten und damit zur Veränderung der Wallhecken-Vegetation und zum Rückgang von Hochstaudenfluren; außerdem werden Gewässer mit Nährstoffen belastet (Eutrophierung) und die Böschungsstabilität beeinträchtigt.

Pressemitteilung BUND-Regionalverband Ostfrieslan

Blütenreichtum für Insekten
Mit Totalherbizid behandelte Wiese
Verarmte Wallhecke mit kümmerlichem Bewuchs
Auch hier wird's weniger: Nisthilfen für Wildbienen

BUND: Insektensterben auch in Ostfriesland?

In den letzten Monaten gab es in den überregionalen Medien immer wieder Berichte über ein "Insektensterben" bzw. einen deutlichen Rückgang der Insektenzahlen. Für den BUND Ostfriesland stellt sich die Frage, was ist dran an diesen Berichten und ist auch Ostfriesland betroffen?

Gesicherte umfassende Daten gibt es dazu weder für Niedersachsen noch für Ostfriesland. Insekten wurden bislang kaum systematisch untersucht; die Aussagen beruhen auf sehr begrenzten Untersuchungen, so die bisherigen Recherchen des BUND.  Die wenigen vorliegenden Zahlen sind aber sehr dramatisch: Sie zeigen einen Verlust der Insektenmasse von bis zu 80 % in den letzten drei Jahrzehnten. Davon betroffen sind z. B. Wildbienen und Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Heuschrecken, Laufkäfer und Wasserkäfer.

Der Rückgang der Insekten wirkt sich unmittelbar auf die Bestände anderer Arten wie z. B. Vögel oder Fledermäuse aus, da sie deren Nahrungsgrundlage darstellen und damit wichtige Elemente der Nahrungsketten sind. Darüber hinaus hat dies Folgen für Wild- und Nutzpflanzen, die auf Insektenbestäubung angewiesen sind. Auch wenn für Ostfriesland regionale Besonderheiten zu beachten sind, so geht der BUND dennoch davon aus, dass sich unsere Region nicht einem deutschland- und europaweiten Trend entziehen kann. Darüber hinaus gibt es aber auch für den ostfriesischen Raum aus Sicht des BUND deutliche Indizien für einen starken Rückgang der Insektenzahlen.

Langjährigen Autofahrern wird es aufgefallen sein: Nach einer Autofahrt an einem milden Sommerabend finden sich kaum noch erschlagene Insekten am Auto; das war früher anders.
Über die Beschäftigung mit ihren Honigbienen haben Imker einen guten Einblick in einen Teil der Insektenwelt. Sie stellen in den letzten Jahren zunehmend eine Verringerung der Blütenpflanzen und damit der Trachtmöglichkeiten in der Landschaft fest. Dies betrifft dann aber auch insgesamt alle auf Blüten angewiesenen Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen oder Schmetterlinge.

Bei auffälligen Insektenarten wie Schmetterlingen hat wahrscheinlich schon jeder selbst einen Rückgang der Vielzahl beobachtet, der zudem von einem Mangel an geeigneten Futterpflanzen für die Raupen verursacht wird. Weiterhin ist auffällig, dass vor allem auf Insekten angewiesene Vogelarten wie z. B. Schwalben, Mauersegler oder Feldlerche in ihrem Bestand überproportional zurückgehen. Die früher weit verbreiteten Kiebitze sind  - wie auch der Weißstorch - stark auf Heuschrecken angewiesen; diese finden sich aber nur auf Wiesen mit lückiger Vegetation.

Die Intensivierung in der Landwirtschaft hat aber dazu geführt, dass solche kaum noch vorhanden sind. So wurden z. B. bislang blüten- und artenreiche Wiesen umgebrochen, um dort besonders wüchsige Gräser auszusäen. Die Zunahme des Maisanbaus und der Verlust an Brachflächen und Kleinstrukturen (Tümpel, Gebüsche) hat ebenso zu einer Verarmung der Lebensräume und Nahrungsgrundlagen für Insekten geführt wie die übermäßige Pflege von Wallhecken. Eine zunehmende Versiegelung durch Baumaßnahmen (Siedlungen, Gewerbegebiete, Straßen) nimmt den Insekten weiteren Lebensraum. Wenn dazu noch Gartenmoden wie Kies-Vorgärten oder eine übermäßige Mahd von Wegrändern kommen, bleibt kaum noch Platz und Nahrung für Insekten. Darüber hinaus führt der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu einem weiteren Rückgang der Insektenmasse, wie mittlerweile viele Untersuchungen zeigen.

All diese Faktoren werden durch nach BUND-Einschätzung gute und sinnvolle Maßnahmen wie Blühstreifen oder die Anlage von Obstwiesen zwar abgemildert, die negative Entwicklung für die Insekten auch in Ostfriesland halten sie aber nicht auf; hierzu muss die gesamte Umgebung bessere Lebensbedingungen bieten.

Weitere Infos (z. B. über Wildbienen) unter www.bund.net/bienenretter.

Mauersegler: Die Sommergäste sind jetzt vollzählig

Von BUND und Feuerwehr Aurich am Schlauchturm Aurich angebrachte Nisthilfen, in denen sich eine neue Kolonie entwickelt
Mittlerweile eine stabile Mauersegler-Kolonie: Nisthilfen an einem Privathaus

BUND Ostfriesland will vorhandene Kolonien erhalten

Für ihre "Fans" vom BUND ist der Sommer erst dann komplett, wenn sie Mauersegler mit schrillen "srih"-Rufen im Pulk an Häusern und Dächern entlang jagen sehen und hören können.

Mauersegler ähneln in ihrem Flugbild Schwalben, sind aber etwas größer und haben deutlich sichelförmige Flügel. Ursprünglich an Felsen und in Baumhöhlen brütend. leben sie als typische Kulturfolger heute in menschlichen Siedlungen. Mauersegler sind wahre Flugkünstler und verbringen fast ihr gesamtes Leben in der Luft; nur zum Brüten und zur Jungenaufzucht lassen sie sich in Bruthöhlen nieder. Da sich Mauersegler zum Starten in die Tiefe fallen lassen, müssen diese einige Meter über dem Boden liegen.

Wie BUND-Experten beobachteten, sind mit dem metereologischen Sommeranfang am 1. Juni nun auch die letzten Nachzügler dieser speziellen Sommergäste in Ostfriesland wieder eingetroffen. Es handelt sich dabei um die "Verlobten", die erst Wochen nach den Altvögeln (ab Anfang Mai zu beobachten) hier eintreffen. Diese sind junge Mauersegler, die nach ihrer Überwinterung in Afrika jetzt erstmalig wieder in Ostfriesland sind und nach einer geeigneten Nisthöhle für ihren künftigen Nachwuchs suchen. Dabei fliegen sie dann geeignete Objekte an; oft sind diese schon belegt und hört von drinnen empörte an "Besetzt!" erinnernde Rufe.  Aufgrund ihrer relativ langen Lebensdauer (bis zu 20 Jahre) lassen sich Mauersegler bei ihrer "Familienplanung" Zeit. Auch wenn die "Verlobten" in diesem Jahr einen geeigneten Platz gefunden haben, so werden sie noch keine Brut anlagen. Vielmehr verabreden sie sich für das kommende Jahr, um erst dann die "Hochzeit" zu vollziehen und 2 bis 3 Junge großzuziehen. Dabei sind Mauersegler sehr standorttreu und auf die einmal gewählte Bruthöhle fixiert.

Dies erklärt unter anderem den beobachteten Rückgang der Mauerseglerpopulation (auch in Ostfriesland). Während andere Vögel besonders stark unter dem Rückgang ihrer Nahrung, vor allem von Insekten, leiden (bislang vorliegende Stichproben-Untersuchungen gehen von einem Rückgang der Insekten-Masse von bis zu 80 % in den letzten Jahrzehnten aufgrund von fehlenden Blütenpflanzen und Pestiziden aus), ist bei Mauerseglern der Verlust von geeigneten Nisthöhlen ein wichtiger Faktor. Geeignete Höhlungen fanden sie bislang vor allem in Dächern höherer Gebäude (u. a. Kirchen, Verwaltungsgebäude). Durch Dachsanierungen sind in den letzten Jahrzehnten viele Brutmöglichkeiten verloren gegangen. Mit geeigneten Nisthilfen kann man hierfür aber Ersatz schaffen. Daher ist es für den BUND Ostfriesland ein wichtiges Anliegen, bei Dachsanierungen den Blick für mögliche vorhandene Bruthöhlen zu schärfen und Belange des Artenschutzes mit Sanierungsmaßnahmen in Einklang zu bringen. In diesem Zusammenhang verweist er auf das BUND-Projekt "Klimaschutz und biologische Vielfalt unter einem Dach" (www.bund-niedersachsen.de).

Da der BUND Ostfriesland seit Jahren die Entwicklung der Mauersegler-Bestände in der Region verfolgt, ist er für Meldungen über aktuelle Mauersegler-Kolonien dankbar
(bund-ostfriesland@bund.net oder 04941/997835). Besonders in der Zeit vor der Dämmerung flitzen Mauersegler in Pulks an ihren Bruthöhlen vorbei; dies ist nach Angaben der BUND-Experten ein sicheres Zeichen für das Vorhandensein einer Kolonie.

BUND Ostfriesland verleiht "Goldenes Astloch" an die Samtgemeinde Hesel

Auch in diesem Jahr haben sich wieder viele empörte Bürger wegen Verstößen  gegen den Baumschutz an den BUND Ostfriesland gewandt. Dies zeigt zum einen, dass die Sensibilität für den Baumschutz zunimmt, dass es aber andererseits nach wie vor erhebliche Defizite im angemessenen Umgang mit Bäumen gibt. Erfreulich ist die Beobachtung, dass die bislang „ausgezeichneten“ Kommunen sich danach sehr viel sensibler bei ihren Pflegemaßnahmen verhielten.

In diesem Jahr geht der Negativ-Preis an die Samtgemeinde Hesel. Hier wird moniert, dass es in großem Umfang zu Fällungen von Bäumen und Büschen gekommen ist, wodurch wichtige Elemente von Natur und Landschaft verloren gegangen sind. So wurden an Straßenzügen komplett z. B. Weiden entfernt, die für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge eine wichtige Nahrungsquelle nach dem Winter darstellen. Auch wurden in der Samtgemeinde Bäume in einer Art verstümmelt, die aus Sicht von Experten einem „Totalschaden“ gleichkommen (vgl. Bild). Durch übergroße Sägemaßnahmen werden die Bäume nicht nur verunstaltet, diese „Behandlung“ führt auch zu einer Gefährdung der Bäume durch Pilze und Fäulnis und damit in der Perspektive zu erhöhten Kosten.

Auch die Gemeinde Hage war aus Sicht des BUND „preisverdächtig“. Verschiedene Akteure (die Gemeinde selbst, ein Verein, der Entwässerungsverband) haben hier in großem Stil Bäume gefällt (u. a. am Friedhof, vgl. Bild) oder verstümmelt. Die Fällungen am Hager Tief haben u. a. die Lebensbedingungen der dort vorkommenden Eisvögel erheblich verschlechtert.

Eine besondere Erwähnung verdient in diesem Jahr die Straßenbaubehörde, ist sie doch verantwortlich für nicht fachgerechte „Baumpflegemaßnahmen“ an der B 72 zwischen Mittegroßefehn und Ulbargen. Zu große Äste wurden entfernt (und nicht auf Astring geschnitten), wodurch Wunden entstanden sind, die die Bäume nicht mehr schließen können (vgl. Bild). Die Folge: Hier drohen Pilzbefall und Fäulnis und damit in der Konsequenz die Fällung der Bäume.  

Nimmt die Stadt Aurich ihre Baumschutzsatzung noch ernst?

Zum wiederholten Male musste der BUND feststellen, dass die Stadt Aurich Vorgaben ihrer eigenen Baumschutzsatzung ignoriert. In seinen Stellungnahmen zu Bauvorhaben in der Stadt hatte der BUND auf die Gefährdung von Bäumen und die entsprechenden Schutzvorschriften in der Baumschutzsatzung verwiesen.

Bei den Verfahren handelt es sich um den Supermarkt am Südeweg und eine Bebauung am Krähennestergang. In beiden Fällen geht es um Rotbuchen, die durch die Satzung geschützt sind. So wird in § 4 der Baumschutzsatzung u. a. festgelegt, dass Bäume „durch Störungen des Wurzelbereichs unter der Baumkrone (Kronenbereich)“ durch „Befestigen der Fläche mit einer wasserundurchlässigen Decke“ oder durch „Abgrabungen, Ausschachtungen oder Aufschüttungen“ nicht geschädigt werden dürfen. Buchen sind bekanntermaßen in ihrem Wurzelbereich besonders empfindlich; für sie müsste diese Vorgabe in besonderer Weise gelten.

Stattdessen werden die Hinweise des BUND auf den erforderlichen Schutz in der Abwägung der Stadt Aurich nicht berücksichtigt, da sonst die notwendige Anzahl an  Parkplätzen nicht geschaffen werden könnte. Es wird auf die Ausnahmeregelung verwiesen, da ansonsten „eine nach den baurechtlichen Vorschriften zulässige Nutzung sonst nicht oder nur unter wesentlichen Beschränkungen verwirklicht werden kann“.

Für den BUND folgt daraus, dass die wertvollen Rotbuchen durch die Überbauung des Wurzelraumes in der Perspektive absterben werden und dies offenbar billigend in Kauf genommen wird, um Parkplätze zu schaffen. Parkplätze sind also offenbar wichtiger als geschützte Bäume.

BUND fordert mehr Gewässerschutz

Die in der Neufassung des niedersächsischen Wassergesetzes vorgesehene Wiedereinführung von Gewässerrandstreifen auch an Gewässern 3. Ordnung hat bei Landwirten in Ostfriesland für Unruhe gesorgt. Auch der BUND hat sich mit der Vorlage befasst; er vermisst hier aber eine deutlichere Orientierung am Umweltschutz und den Bewirtschaftungszielen nach der Wasserrahmenrichtlinie. So bleibt die Vorlage teilweise weit hinter den Regelungen anderer Bundesländer zurück, z. B. in Hinblick auf die Randstreifen an Gewässern 1. und 2. Ordnung, die andernorts (z. B. in Baden-Württemberg, Bremen oder Sachsen-Anhalt) deutlich mehr als die in Niedersachsen vorgesehenen 5 m betragen (der BUND hält hier einen Abstand von mindestens 10 m für erforderlich). Auch wird nach BUND-Ansicht die Funktion der Gewässerrandstreifen als Pufferzone gegen schädliche Einträge unterlaufen, wenn das mit Nährstoffen oder Pestiziden belastete Drainagewasser aus landwirtschaftlichen Flächen direkt in die Gewässer eingeleitet werden darf; der Gesetzentwurf enthält dazu leider keine Regelung.


Problem: Überdüngung


Der BUND Ostfriesland erkennt die Bemühungen der Landwirtschaft um eine Reduzierung der Einträge für einen besseren Gewässerschutz an, sieht aber nach wie vor erhebliche Probleme. So gibt es in Niedersachsen bislang z. B. immer noch eine Überdüngung von rund 80.000 Tonnen Stickstoff und etwa 30.000 Tonnen Phosphat, was eine vermeidbare Belastung des Grundwassers und der Gewässer darstellt. Dies betrifft auch Ostfriesland, auch wenn hier die Belastungen noch deutlich geringer sind als beispielsweise in Südoldenburg. Aber durch die Verbringung von Gülle, Gärresten und Hühnertrockenkot in andere Landeteile gelangen verstärkt Nährstoffe auch in unsere Region. Hinzu kommt, dass durch die Biogasanlagen und einen erhöhten Viehbesatz zunehmend mehr Nährstoffe auch vor Ort anfallen. Wer sich Gräben in Ostfriesland genauer anschaut, wird auch ohne Fachkenntnis z. B. am braunen Algenschlier feststellen, dass viele deutlich überdüngt sind und kaum noch Leben aufweisen. Über Entwässerungssysteme wie die Siele gelangen die Nährstoffüberschüsse auch in die Nordsee; dort stellt die überhöhte Nährstoffanreicherung mittlerweile eines der schwer-wiegendsten ökologischen Probleme dar.


Kritik aus der Landwirtschaft ist überzogen

In Bezug auf die Neufassung des niedersächsischen Wassergesetzes hält der BUND Ostfriesland viele Kritikpunkte aus der Landwirtschaft für überzogen. So wird auch jetzt schon in der aktuellen Fassung der Düngeverordnung  (Düngeverordnung, 2007) die Einhaltung eines Abstandes von mindestens 3 m bei der Ausbringung von Düngemitteln zu Gewässern verlangt; bei Ausbringtechniken mit genauer Platzierung von 1 m. Außerdem sind in unserer Region ca. 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Grünland, wodurch sich die Einschränkungen auf den Gewässerrandstreifen nur begrenzt auf den Ertrag auswirken. Andererseits wird etwa die Hälfte der Ackerflächen für den Anbau von Mais genutzt, der besonders intensiv mit Nährstoffen versorgt wird. Für Ackerflächen sind Greening-Maßnahmen (z. B. Blühstreifen) gefordert; solche Maßnahmen könnten an die Gewässer verlegt werden.


Auch das Grundwasser ist betroffen


Auch das Grundwasser ist belastet: Die Hälfte der Messstellen weisen mit mehr als 50 Milligramm pro Liter Nitratwerte auf, die über den zulässigen Grenzwerten liegen. In Ostfriesland sind die Werte i. d. R. noch gut, da das Grundwasser aus über 100 m Tiefe gefördert wird. Dieses Wasser wird aber ergänzt durch Oberflächenwasser, das wegen der speziellen Bodenverhältnisse teilweise erst in Jahrzehnten in entsprechende Tiefen gelangt, was bedeutet, dass jetzt verursachte Belastungen sich erst sehr viel später zeigen werden.


Fazit

Nährstoffüberschüsse reichern sich im Boden, im Grundwasser und in Gewässern an und haben negative Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen. Der BUND hält daher alle Maßnahmen, die diese Belastungen (wie z. B. Gewässerrandstreifen) reduzieren, für wichtig.

8. Ostfriesischer Apfeltag bei Badewetter

Sortenausstellung
Apfelsaft pressen
u. Verkostung von Sorten-Säften

Herbstgenüsse bei Hochsommerwetter

Damit hatte keiner der Organisatoren gerechnet: Dass bei dem Ostfriesischen Apfeltag, der ja eher herbstliche Themen zum Inhalt hat, mit 25 Grad ein absoluter Sommertag ins Freie lockte. Um so erstaunlicher, dass Interessierte so zahlreich den Weg in die Kreisvolkshochschule Aurich fanden, dass alle Beteiligten (u. a. Imker, Pomologen, der Verein Ostfrieslands Streuobstwiesen) sowie die Veranstalter BUND Ostriesland und KVHS Aurich voll zufrieden waren. Unter den Besuchern waren viele, die einen oder mehrere Obstbäume pflanzen oder gar eine größere Obstwiese anlegen wollen. Für sie hielt der Apfeltag ein Rundum-Paket bereit: Über 200 verschiedene Apfelsorten waren ausgestellt, ein Teil davon konnte probiert werden. Damit gab es Hilfestellung bei der Frage, welche Sorten gepflanzt werden sollen. Weiterhin gab es Tipps zur Anlage von Obstwiesen, zu einer eventuellen Förderung dabei, zur Verbesserung der Lebensbedingungen der für die  Bestäubung wichtigen Insekten und die Nutzung des vorhandenen (oder zu erwartenden) Obstreichtums.

Die sinnlichen Genüsse kamen nicht zu kurz: Das Forum des Zentralgebäudes war erfüllt von Apfel-Duft, so dass Appetit aufkam auf die vielfältigen und phantasievollen Gerichte, die von den gastronomischen KVHS-Mitarbeitern präsentiert wurden. Neben Kaffee konnte man mit verschiedenen Apfelsäften seinen Durst löschen. Ein Highlight war dabei sicherlich die Verkostung von frisch gepressten Sortenapfelsäften. In der Publikumsgunst lagen dabei die „Rote Mischung“ (aus Ostfriesischem Herbstkalvill und Rotem Herbstcousinot) und der Saft der Sorte "Filippa" weit vorne.

Vor dem Raum der Pomologen Ariane Müller und Georg Brüntjen gab es den ganzen Tag über eine lange Schlange: Sie versuchten (meist mit Erfolg) die richtige Sortenbezeichnung für mitgebrachte Äpfel zu finden. Dabei hatten sie es angesichts des diesjährigen Witterungsverlaufs besonders schwer: Viele Lageräpfel waren vorzeitig gefallen und auch der Geschmack des vorgelegten Obstes wich von dem regulären ab. Trotzdem konnten  auch dieses mal einige Raritäten gefunden werden, um die sich die Pomologen noch weiter kümmern werden.

Zu den Besonderheiten des diesjährigen Apfeltages gehörte es auch, dass die umfangreiche Sortenausstellung erstmals nur von ostfriesischen Obstwiesen stammte; ein Zeichen dafür, dass sich in den letzten Jahren immer mehr Obstwiesen mit einer großen Sortenvielfalt angelegt wurden, so dass man zu Recht von einem „Obstwiesen-Boom“ sprechen kann.
Viele Besucher verließen den Apfeltag mit Plänen für den nahenden November: Da dies der beste Pflanzmonat ist, wollen sie dann (noch mehr) Obstbäume pflanzen.

Große Mühlenwallstraße in Aurich: Ein trauriges Beispiel

Trauer um einen wertvollen Baum

Am 1. März wurden (für eine geplante Straßenerweiterung) in Aurich Bäume gefällt, obwohl dies aus Naturschutzgründen nicht mehr zulässig war.

Diese illegale Baumfällaktion an der Großen Mühlenwallstraße in Aurich reiht sich für den BUND ein in eine Reihe von Vorgängen, die einen erschreckend unsensiblen Umgang mit dem Baumbestand in der Stadt offenbaren (Buchenallee Esenser Straße, ZOB-Linden, Hoher Wall, Georgswall, Südeweg). Die Große Mühlenwallstraße ist aus Sicht des BUND ein besonders trauriges Beispiel für eine baumfeindliche Stadtentwicklung.

Ursprünglich eine schöne Allee mit Altbaumbestand, wurde diese in den 1960er Jahren für den Straßenverkehr abgeholzt. Die versprochene "Ersatzallee"  aus Kiefern und Linden hatte dann bis 1990 Bestand; auch sie wurde für den Ausbau der Straße gefällt. Die dafür gepflanzten "Ersatzbäume" fielen überwiegend im letzten Jahr der Säge zum Opfer, da sie die Deckschichten des Radweges anhoben. Heute findet sich hier statt einer üppigen Allee nur eine kleine Hainbuchenhecke. Die jetzt gefällten Bäume gehörten größtenteils mit zu den "letzten Überlebenden" der vergangenen "Ausgleichspflanzung".
Bei der aktuellen Baumfällaktion sieht der BUND auch einen Verstoß gegen "korrektes Verwaltungshandeln".

Spätestens nach der ersten Intervention des Landkreises am Vormittag hätten die Arbeiten eingestellt werden müssen. Aber erst eine Stilllegung seitens der Aufsichtsbehörde stoppte die Aktion. Dies ist aus Sicht des BUND kein „Kavaliersdelikt“, bei dem man ein „Auge zudrücken“ kann. Zum einen hat die öffentliche Verwaltung im Umgang mit Naturschutzgesetzen eine wichtige Vorbildfunktion, die leider oftmals angemahnt werden muss (z. B. über Negativ-Auszeichnungen wie das "Goldene Astloch"), zum anderen kann das in einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren zu erwartende Bußgeld schnell einige zehntausend Euro betragen, die dann aus Steuergeldern beglichen werden müssen.




In Sandhorst sind noch mehr als 50 Bäume in Gefahr

Am Beispiel des Südewegs zeigt sich nach Ansicht des BUND eine verfehlte Planung und  unseriöse Informationspolitik. Schon das Vorhaben, hier ein "Einkaufszentrum" (Supermarkt, Bäckerei, Friseur, Blumenladen u. a.) zu errichten, hält der BUND aus stadtplanerischen und naturschutzrechtlichen Gründen für verfehlt, zumal bei einmal erfolgter Realisierung sicher bald Erweiterungen mit zusätzlichen Eingriffen in den Naturhaushalt und den Baumbestand erfolgen werden.

Auch die Informationspolitik steht seitens der Umweltschützer in der Kritik. BUND-Sprecher Rolf Runge: "Der Umgang mit den Stadtbäumen am Georgswall und am Hohen Wall vor knapp zwei Jahren hat viele Auricher Bürger zu Recht empört. Seitdem gibt es eine erhöhte Sensibilität der Bürger für den Umgang mit Bäumen. Dem werden die Verantwortlichen nicht gerecht." Zahlreiche besorgte Bürger hätten sich in dieser Angelegenheit an den BUND gewandt. Dieser fordert einen pfleglichen Umgang mit dem vorhandenen Baumbestand und weist darauf hin, dass neben dem Artenschutz (z. B. für Fledermäuse oder Eulen) auch ein besonderer Schutz für den Buchenbestand gelten könnte.

Für Runge ist das bisherige Vorgehen ein Negativ-Beispiel für eine unredliche Informationspolitik. Bislang sei angeführt worden,  dass nur eine sehr geringe Zahl von Bäumen im Zusammenhang mit dem geplanten Supermarkt gefällt werden müsste (was schon immer angezweifelt wurde); nun ist von insgesamt knapp 50 Bäumen die Rede. Diese Zahl werde sich noch deutlich erhöhen, wenn der Südeweg auch in anderen Abschnitten noch mehr ausgebaut werden soll, wie die Stadtbaurätin andeutet. Damit drohen insgesamt starke Eingriffe in einen als Wald besonders geschützten Baumbestand.

Dies sieht der BUND nicht nur aus Naturschutzgründen, sondern  auch aus stadtplanerischer Sicht als falsch an. Der Bau der "Entlastungstraße" in Extum hat für diesen Bereich und den Grünen Weg eine längst bekannte Erkenntnis bestätigt: Mehr und gut ausgebaute Straßen schaffen mehr Verkehr! Die Auricher Problematik des "Quellverkehrs" (also eines stark gestreuten innerörtlichen Verkehrs) werde damit weiter verschärft. Im Prinzip sinnvolle Planungen für einen Rad- und Fußweg am Südeweg sind nach Ansicht des BUND auch ohne Baumfällungen zu realisieren, da hier bereits ein geschotterter Weg parallel zur Straße vorhanden ist. Zudem gibt es mit der Moltkebahn schon einen sehr schönen Weg ohne Autoverkehr in  Richtung Esenser Straße.

Für den BUND stehen die jetzt geplanten Maßnahmen und Baumfällungen im Bereich Südeweg/Esenser Straße in einem unmittelbaren Zusammenhang mit mit den Marktplanungen, was sich nicht zuletzt daraus ergibt, dass der Investor offenbar  Kosten für eine Abbiegespur und für Kompensationsleistungen tragen will.

Quelle: http://ostfriesland.bund.net/aktuell/