Allgemeines

Weiden zählen zu den ältesten voreiszeitlichen Blütenpflanzen. Weltweit gibt es ca. 450 Arten, in Europa knapp 40 natürliche und viele gärtnerische Zuchten und Hybriden. Die meisten Arten wachsen strauchartig; Baumweiden können aber auch bis zu 30 m hoch werden (Silberweide Salix alba L); die kleinste Weidenart (Netzweide Salix reticulata L.) wird nur wenige mm groß. Viele der europäischen Arten kamen ursprünglich in den feuchten Auwäldern vor und haben eine erstaunliche Wüchsigkeit (bis 3 m pro Jahr) und eine hohe Regenerationsfähigkeit.

Die an Feuchtgebieten und ganzjährig feuchten Gräben häufig vorkommende Art ist die ( Grau-Weide Salix cinerea L.). Sie ist als frühe Bienennahrung bei Imkern gern gesehen. Sie ist sehr dicht und gern genutztes Brutgehölz. Als Holz-Lieferant ist sie ungeeignet. Sie "bastardisiert" gern mit anderen früh blühenden Weidenarten, weshalb die Bestimmung manchmal schwer fällt. Die Grau-Weide ist eine "Zeiger-Pflanze" für verbuschte und ehemals artenreiche Feuchtflächen. Ihre Art ist für viele oberflächliche Landschaftspfleger der Grund für Weidenrodungen.

Da viele Flussauen mittlerweile verschwunden sind und viele Gewässer kaum noch bewachsene Randbereiche aufweisen, ist der natürliche Lebensraum der Weiden stark geschrumpft. 

Bedeutung für die Natur

Die Bedeutung von Weiden für den Naturhaushalt kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Nach den Eichen gibt es auf Weiden die höchste Anzahl pflanzenverzehrender Insektenarten. Wenn man auch die Arten berücksichtigt, die sich von diesen Primärarten  ernähren, kommt man auf die phantastische Zahl von ca. 2500 Insektenarten, die in irgendeiner Weise mit Weiden in Verbindung stehen: Honig- und Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge, Faltenwespen, Schlupfwespen, Blattwespen, Ameisen, Schwebfliegen, Wanzen, Käfer, Blattläuse u. a.

Für Bienen liefern Weiden die erste Massentracht an Nektar und Pollen im Frühjahr. Der Weiden-Nektar ist auch für früh fliegende Schmetterlinge bedeutsam; noch wichtiger aber sind Weiden als Raupenfutterpflanzen für über 150 Großschmetterlingsarten. Auch für Wirbeltiere sind Weiden bedeutsam: Zahlreiche Vogelarten nutzen sie (bzw. ihre Höhlen) als Lebens- und Brutraum, u. a. der Steinkauz. Auch Kleinsäuger wie Haselmaus oder Fledermäuse nutzen die Weiden.

Bedeutung für den Menschen

Schon früh haben die Menschen die biegsamen Ruten der Weiden für alle Arten von Flechtwerk, für Fachwerkwände und Zäune genutzt. Das Holz wurde z. B. für die Herstellung von Holzschuhen oder als Brennholz in Anspruch genommen. Wegen des starken Wurzelwerks wurden Weiden auch zur Ufersicherung verwendet. Das in der Weidenrinde enthaltene Salicin  wurde medizinisch genutzt (das heutige Aspirin ist die künstliche Weiterentwicklung davon).  

Eine verdrängte Bedeutung haben einige Weidearten für den Wasserbau. Sie sind in der Lage, Uferbefestigungen und Spülsäume zu befestigen. Sie stabilisieren Hänge und können Unterspülungen verhindern. Im ökologischen Gartenbau und naturnahen Landschaftsbau sind Weiden in feuchten Umgebungen unverzichtbar. Die bevorzugten Arten hierfür sind Purpur-Weide (Salix purpurea) und Großblättrige Weide (Salix appendiculata) 

In den letzten Jahren werden, besonders in Feuchtgebieten, Weiden in Kurzumtriebsplantagen angebaut. Der wachsende Bedarf an Holz für energetische Nutzung (Holz-Heiz-Pellets) ist der Grund hierfür. Solche Plantagen (sehr dicht gepflanzte Weiden -häufig Hybriden- werden nach 10-15 Jahren geerntet und unter Wärmezuführung verpresst. In Ostfriesland werden solche Plantagen häufig auf torfmoorigen Böden angelegt, da sie mit der Feuchtigkeit zurecht kommen. Sie tragen damit in erhöhtem Maße zur Mineralisierung der Hochmoorgebiete bei. Wie alle Weiden haben auch diese Plantagen einen großen Wasserumsatz und senken so den Wasserspiegel, was zur Ausgasung von CO2 und anderen Lachgasen führt.

Als Frühlingsboten haben blühende Weidenkätzchen schon immer das Herz der Menschen erfreut. Sie haben  auch in der kirchlichen Praxis (als Palmbusche) oder im Aberglauben Bedeutung.

Weiden in der besonderen Form als Kopfweiden können wichtige Gestaltungselemente im Landschaftsbild sein und haben durch ihr bizarres Aussehen seit jeher die Phantasie der Menschen beflügelt. Sie wurden u. a. mit mystischen Gestalten wie Feen, Hexen oder Geister in Verbindung gebracht. Viele Dichter und Maler haben sie als beliebtes Motiv in ihre Werke aufgenommen.

Kopfweiden

Die Kopfweide ist keine eigene Art, sondern eine Baumform, die durch eine besondere Schnittpflege entsteht. Seit dem frühen Mittelalter ist diese Form der Weidennutzung nachgewiesen. Kopfweiden entstehen aus Weidensetzstangen, die ca. 1 bis 3 m über dem Boden abgeschnitten werden. Durch regelmäßigen Schnitt der oberen Austriebe entsteht hier durch Überwucherung   eine Verdickung, die besondere „Kopfform“. Nach etlichen Jahren erreichen die Kopfweiden ihr typisches Aussehen: Ein relativ kurzer, dicker Stamm mit einem massiven, dicken „Kopf“. Im Landschaftsbild wirken diese Kopfweiden  dann besonders faszinierend.

Da Weiden ein relativ weiches Holz haben, entstehen durch den regelmäßigen Schnitt Spalten, Faulstellen und später Höhlen, welche für Insekten und Vögel sehr wichtig sind . Die anfallenden Weidenruten kann man auch heute noch vielfältig nutzen: Für Flechtarbeiten aller Art, für Bauwerke (wie „lebende“ Zäune, Höhlengänge, Tipis oder Lauben) oder schlicht als Brennmaterial.

Weidenprojekt des BUND-Regionalverbandes Ostfriesland

Seit etlichen Jahren führt der Regionalverband in Ostfriesland sein Weidenprojekt durch. Ziel ist die Verbreitung von Weidenanpflanzungen wegen ihrer Bedeutung für den Naturhaushalt und insbesondere die Förderung von Kopfweiden aufgrund ihrer besonderen Ästhetik im Landschaftsbild und als Kulturform, die nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Dazu gibt es in unregelmäßigen Abständen im Januar das Angebot, sich mit Weidenstecklingen (u. a. von Grau-, Silber, Öhrchen- oder Korbweiden) zu versorgen und praktische Tipps für die Erziehung von Kopfweiden zu erhalten.

Der Baumschutz ist ein fester Bestandteil für den BUND Ostfriesland.
Einige markante Initiativen der letzten Monate.

Der Georgswall in Aurich (Konzept)

Der Hohe Wall in Aurich (Pressebericht ON)   (Pressebericht OZ)

Die Dorfallee in Ihlow-Lübbertsfehn (Eigener Bericht)

Baumschnitt in den Ortschaften (Eigener Bericht)

 

 



Ihre Spende hilft.

Nanotechnologie im Haushalt

Immer mehr Alltagsprodukte enthalten Nanomaterialien. Der BUND klärt auf, wo sie sich häufig verstecken und auf welche Produkte Sie besser verzichten sollten.

Mehr erfahren!

Suche